Texte

„Interferenzen“. Jan Douma und Veronika Grüger. KünstlerWerkstatt L6 e.V. Freiburg. Eröffnung: Donnerstag, 12.09.19. Einführung: Dr. Antje Lechleiter©, Freiburg

(…. )Weich und hart, bearbeitet und unbearbeitet, Fläche und Volumen – Gegensätze ziehen Jan Douma, der im Kaiserstuhl lebt und arbeitet, magisch an. Seine Skulpturen aus Holz, Beton und Granit bestechen durch ihre Klarheit. Über das Lehnen und Stapeln, das Gruppieren von einzelnen Elementen erkundet der Künstler, welche emotionalen Aspekte sich aus dem Zusammenspiel von Material, Oberfläche und Raum ergeben können. In „Leaning“ berühren sich beispielsweise die beiden Teile aus Eiche und Granit nur an zwei winzigen Stellen und genau diese Zone macht die Arbeit so faszinierend, immer wieder wollen wir beim Umrunden mit den Augen zu den Kontaktpunkten vordringen.

Die aus kubischen Elementen zusammengefügten Werke „Sharped-edge turn“ und „Connect“ gehören in einen früheren Werkabschnitt. Sie funktionieren über die nichthierarchische Anordnung der einzelnen Elemente, die in eine räumliche Ordnung gebracht wurden. Darstellung und Dargestelltes fallen hier zusammen, im Zentrum der beiden Arbeiten steht die Beziehung der einzelnen Elemente zueinander und zum umgebenden Raum. Zweifellos geht es Douma also nicht um eine Bildhauertätigkeit, die das Schnitzen und Meißeln an Materialien in den Vordergrund stellt. Ihn interessiert nicht nur das materiell Vorhandene, sondern auch das, was davon umschlossen wird oder sich in den Zwischenräumen ergibt. Der Künstler erkundet, welche Wirkung der Wechsel von innen und außen auf den Betrachter hat und wie mit den Mitteln von Skulptur Raum erfahrbar gemacht werden kann. Dieser Aspekt zeigt sich besonders gut bei den beiden röhrenartigen Werken aus Beton, welche bezeichnenderweise die Titel „Captured“ und „Intimate space“ tragen. Der Zugang erfolgt zwar zunächst über die Außenhaut, dennoch steht auch hier nicht die Auseinandersetzung mit der Form im Vordergrund. Die Öffnung der Skulptur erweckt vielmehr beim Betrachter das Verlangen, sich in das Innere vorzutasten, sich quasi in die Tiefe zu vertiefen. Hier finden sich unabhängig von der Außenhaut gestaltete Räume, die uns auf einer sehr emotionalen Ebene berühren. Konstellationen, Bezüge und Verhältnisse stehen ja in engem Zusammenhang mit Gefühlsäußerungen, die wiederum mit dem Zusammenspiel von Materialien und Strukturen verbunden werden können. Arbeiten wie „Counterparts“, zeigen beispielsweise, wie zwei Elemente interagieren und geradezu in einen Dialog über ihre Gegensätze und Gemeinsamkeiten geraten. Genaugenommen handelt es sich in diesem Falle allerdings um einen Trialog, denn es tritt noch ein weiterer Gesprächspartner hinzu. Douma geht es nicht nur um das weich gerundete Oliven- und das tief schwarz geflämmte Eschenholz, sondern auch um den Raum  dazwischen, der den Charakter der Anordnung gleichermaßen prägt. Dieser Aspekt erklärt auch, warum der Künstler in seinem Oeuvre weitgehend auf figürliche Aspekte verzichtet. Er will die Welt nicht abbilden, sondern sucht über die Präsentation seiner Materialien, Strukturen und Oberflächen  zu einer Zusammenführung von Körper- und Raumerfahrung zu gelangen.

Dass Raum auch in der Fläche wohnen kann, zeigt sein Relief „Rhythm“ aus geflämmtem Holz, das durch horizontale Einschnitte in seiner natürlichen Strukturierung verstärkt wurde. Damit eng verwandt sind die Unikatdrucke der beiden Serien. Douma druckte hier mit einzelnen Holzelementen, die sich im Zuge des Arbeitsprozesses zu einer mehr oder minder starken Verdichtung aufaddierten. Die Farbe das Blattes bleibt zwischen den einzelnen Linien sichtbar, und so verweist der Künstler wiederum nicht nur auf das Gestaltete, sondern auch auf das Ungestaltete, also auf die Leerstellen im Bild. „Between the lines“ lautet daher auch der schlüssige Titel dieser mehrteiligen Serie von farbigen Holzdrucken.(…. )

Jan Douma: „Counterparts“ (2019) Foto: Jan Douma

Kunst in Kürze, Künstlerwerkstatt L6, Herbert M. Hurka, Badische Zeitung 20.09.19

Minimalistisch muten auch Jan Doumas Skulpturen und Acryl-Prints an, die die Künstlerwerkstatt L6 unter dem Titel „Interferenzen“ mit den Fotoarbeiten von Veronika Grüger ausstellt. Die kleinformatigen Skulpturen kombinieren sich zumeist aus zwei Elementen. So kommunizieren grob behauene Granitblöcke mit ihren Widerparts aus empfindlichem Oliven- oder geflämmtem Eichenholz. Dessen Brandschwärze intensiviert auch ein Relief im Format eines Tafelbildes, das mit seiner Massivität die fein gezeichneten Parallelen der gerahmten Drucke konterkariert. Wie die Streifen auf den Graphiken sich durch ihre Zwischenräume konstituieren, so arrangieren sich die Komponenten der Skulpturen zu Leerräumen, die als ein drittes negatives Element an den Arbeiten teilhaben. (…. )

 

…lassen – Dr. Wolfgang Jantz. Einführung zur Ausstellung ‚…lassen‘ von Jan Douma und Nora Jacobi im Depot K am 9.Jauar 2015

(…) Schließlich entdecken wir auch die Dreier-Kombination, allerdings nicht als Anordnung separater Werkteile, sondern als Dreifach-Gliederung von Einzel-Objekten. Sie bestimmt die streng geformten, kubistisch anmutenden Bodenarbeiten ‚Opponent‘ und ‚Connect‘ und dabei besonders überzeugend die brandgeschwärzte Stele ‚Balance‘. Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich in dieser Arbeit die Statik der scheinbar sicher aufsteigende Stapelung und die Dynamik des möglichen Abgleitens der bereits leicht gegeneinander verschobenen Bausteine die Waage halten. Sehr suggestiv ist der Titel dieser Arbeit. Das Motiv der beherrschten, in der Statik des bildhauerischen Produkts eingefangenen Dynamik finden wir mehrfach, auch in den Titeln: ‚Stretched‘ benennt das Aufstreben der geschwungen zusammengeführten Flächen, ‚Opponent‘ und ‚Connect‘ das kooperative Miteinander bzw. antagonistische Gegeneinander der Teilformen.

Große Aufmerksamkeit widmet der Künstler den Oberflächen. Wir entdecken sowohl natürlich Belassenes als auch künstlerische Bearbeitung wie z.B. polierter Flächen (‚Off Balance‘), die aber die Anmutung natürlicher Flächen auch partiell regenerieren kann, wie bei dem Marmor-Solitär ‚Stretched‘, dessen geglättete Oberfläche durch Körnung nachträglich wieder aufgeraut wurde. Der visuelle Eindruck der Oberflächen ergibt sich, ohne zusätzliche Einfärbung, aus dem Material selbst und dessen jeweiliger Bearbeitung. Das trifft, trotz des sehr drastisch modifizierenden Eingriffs, auch für das durch Flämmung intensiv geschwärzte Holz zu. Gelegentlich wird der allein materialbestimmte Eindruck durch Wachsauftrag intensiviert. (…)

Das Zusammenspiel der Dinge – Christian Bleibaum, Rheinzeitung 31.07.2014. (Zur Ausstellung ‚in between‘ in der Galerie Krüger in Koblenz, 25.07. – 30.08.14)

(… ) Namensgeber der Ausstellung ist die Skulptur ‚in between‘, die aus zwei Hälften eines Kirschbaumstamms besteht, der von Douma mit Kettensäge und Meißel bearbeitet wurde. Der Stamm wurde mit der Säge geteilt, die zwei Hälften aufgerichtet und durch ein Querelement zu einer Einheit verbunden. Die Holzstruktur der einander zugewandten Seiten der beiden Hälften wurde nahezu natürlich belassen. Verbunden durch den Balken und doch getrennt durch die entstandene Lücke, kommunizieren die beiden Hälften weiterhin miteinander. Je nachdem, aus welcher Richtung der Besucher die Stämme betrachtet, erhält er einen anderen Eindruck der Skulptur. die intensive und natürliche Farbigkeit des Kirschholzes in der Verbindung mit den unterschiedlichen Bearbeitungsspuren des Künstlers prägen dabei den lebendigen Charakter der Skulptur.

Im Gegensatz dazu besteht die Skulptur ‚uplifted‘ aus zwei steinernen Elemententen, die jedoch sehr unterschiedlicher Natur sind. Das eine Element ist ein helles längliches und leicht geschwungenes Element aus Kalkstein, das mit dem einen Ende auf dem Boden und mit dem anderen auf einen schwarzen Block aus Diabas ruht. Beide Stücke weisen Arbeitsspuren auf und sind nur zum teil geschliffen. Dabei wirken sie jedoch äußerst verschieden und entwickeln trotz ihrer steinernen Substanz in ihrem Zusammenspiel ihre ganz eigene subtile Dynamik. Sie offenbaren dem Betrachter ein Spiel aus Stabilität und Labilität. Das eine kann nicht ohne das andere sein. Diese Kommunikation zwischen den Elementen setzt sich in den anderen gezeigten Werken Douma fort.

Elisabethenanlage – Friederike Meinhardt, Robert Zeller, 2010 (Basel. Ein Begleiter zu neuer Landschaftsarchitektur. Edition Garten + Landschaft, 2010, Callwey Verlag).

Die Elisabethenanlage entstand an der Stelle des abgebrochenen Stadtwalls. Behutsam wurden das Wegesystem und der Baumbestand ergänzt.
(…)Die eigens für den Park entworfenen Bänke, die in einzelner Sitzbereiche unterteilt sind, werden zu einem prägenden Element des Parks. Durch ihre besondere Bauweise und das flexible System passen sie sich an die Steigung und der Verlauf der Wege an. Ein Brunnen des Bildhauers Douma im westlichen Parkteil nimmt mit seiner Bodenfläche Bezug zum alten Baumbestand.
(…)Details wie die geschwungene Bank, entwickelt von Vogt Landschaftsarchitekten, oder der flache Brunnen des Künstlers Jan Douma machen die sorgfältig umgestaltete Elizabethenanlage zu etwas Besonderem.